![]() | Revolution in Europa
Warum nehmen, verglichen mit der Französischen Revolution, die als Aufbruch in ein neues Zeitalter verstanden wurde, oder auch mit den Revolutionen von 1848-49, die revolutionären Ereignisse der Jahre 1820-23 am südlichen Rand Europas in Öffentlichkeit und Wissenschaft eine marginale Rolle ein? |
![]() | Eine der bedeutendsten deutschen Literaturzeitschriften- erscheint in 2012 im 50 Jahrgang. Seit Walter Höllerer sie vor 50 Jahren ins Leben rief, ist Sprache im technischen Zeitalter, unter Freunden: SpritZ, „ ein Zentralort der Selbstverständigung zeitgenössischer Literatur“ - wie Joachim Kalka 2006 aus Anlass der Verleihung des Hesse-Preises an SpritZ festhielt.(Abb.: Walter Höllerer 1969 (c) Renate von Mangold) |
![]() | Zur Geschichte eines MythosKeine andere Gestalt der italienischen Geschichte ist so oft und in so unterschiedlichen Medien dargestellt worden wie Giuseppe Garibaldi. Jessica Kraatz Magri analysiert die intensive und langlebige Symbolproduktion um Garibaldi erstmals systematisch über die Epochengrenzen hinweg. |
Revolution in Europa
Obwohl 1820–23 zum ersten Mal seit dem Wiener Kongress die Ordnung der europäischen Restauration erschüttert und in den betroffenen Königreichen Spanien, den beiden Sizilien, Sardinien-Piemont sowie Portugal der Ruf nach einer Verfassung laut wurde, sind die Ereignisse dieser Jahre im allgemeinen europäischen Bewusstsein kaum verankert. Liegt das daran, dass die genannten Revolutionen allesamt kurzlebig und auf den ersten Blick erfolglos blieben? Vielleicht auch daran, dass sie nur eine Etappe von mehreren auf dem revolutionären Weg bis zur Einführung einer von allen mehr oder minder gebilligten Verfassung 1876 in Spanien bzw. bis zur Einigung Italiens 1870 bildeten? Dass sie bald nach ihrem Ausbruch politisch als Revolutionen von Geheimgesellschaften und nicht des Volkes diffamiert wurden? Oder weiß der durchschnittlich gebildete und historisch interessierte europäische Bürger von heute vielleicht deshalb so wenig über diese Revolutionen, weil sie sich aus west- und mitteleuropäischer Sicht an der Peripherie Europas, im Süden ereigneten – und noch dazu in Ländern, die nicht zur Riege der europäischen Großmächte zu zählen waren? Jens Späths soeben erschienene systematisch vergleichende Studie über den mediterranen Verfassungsdiskurs im Frühliberalismus will hier Aufklärung schaffen und erfüllt zudem ein bisheriges Desiderat der Forschung.
Jens Späth: Revolution in Europa 1820-23. Verfassung und Verfassungskultur in den Königreichen Spanien, beider Sizilien und Sardinien-Piemont (Italien in der Moderne, Bd. 19) 520 Seiten, m. 15 Abb., gebunden, EUR 54,00
ISBN 978-3-89498-272-0
soeben erschienen Mrz. 12
Diesen Band gibt es auch als eBook bei e-cademic.
Eine der bedeutendsten deutschen Literaturzeitschriften
Viermal jährlich vermittelt "SpritZ" mit herausragenden Originaltexten, erläuternden Beiträgen und anspruchsvollen Fotografien einen Überblick über das literarische und kulturelle Geschehen unserer Gegenwart.
Traditionell ist das erste Heft eines Jahrgangs von Sprache im technischen Zeitalter
dem Nachwuchs gewidmet – so auch in diesem 50. Jahr das Heft 201:
Neun junge Autorinnen und Autoren nahmen im Herbst 2011 an
der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin teil,
die von Ursula Krechel und Thorsten Dönges geleitet wurde. Ingo Schulze
hat der Zeitschrift – quasi als Jubiläumbsgeschenk – eine sehr lange
Geschichte überlassen: „Das Deutschlandgerät“. In Auf Tritt Die Poesie präsentiert Michael Braun den Leipziger Lyriker Michael Fiedler. Zu Gast in Berlin ist der Niederländer Erik Lindner.
Sprache im technischen Zeitalter 201 - März 2012
Begründet von Walter Höllerer. Hrsg. von Norbert
Miller und Joachim Sartorius
143 Seiten m. Abbildungen, Broschur, ¤
14,00
Erscheint in Kürze, März 2012
Die Ausgabe 200 der SpritZ enthält u.a. einen
Wiederabdruck des 1964 zuerst veröffentlichten Textes von Walter
Höllerer „Zur Sprache im technischen Zeitalter" – der die Hintergünde
der seinerzeitigen Namensgebung der Zeitschrift ebenso wie die geistige
Umgebung, in der sie entstand, nochmal vor Augen führt; vom frisch
gekürten Büchner-Preisträger Friedrich Christian Delius, auch ein
langjähriger Weggefährte der Zeitschrift, gibt es einen Betrag, der
ebenfalls in genau jene 60er-Jahre zurückführt, zu seinen literarischen
Anfängen, u.a. bei der Gruppe 47 mit eben jenem Walter Höllerer.
Außerdem Gedichte von Breyten Breytenbach, GC Waldrep (der von
Matthias Göritz vorgestellt wird) Nico Bleutge und Stanka Hrastelj und
Prosa u.a. von Burkhard Spinnen und Daniela Dröscher.
Sprache im technischen Zeitalter 200/Januar 2012
Begründet von Walter Höllerer. Hrsg. von Norbert
Miller und Joachim Sartorius
118 Seiten m. Abbildungen, Broschur, ¤
14,00
Zur Geschichte eines Mythos
Frappierend ist vor allem, welcher vielseitige politische Gebrauch von der Symbolfigur Garibaldi insbesondere nach seinem Tod am 2. Juni 1882 bis weit ins 20. Jahrhundert gemacht wurde. Wie und warum haben sich Republikaner, Radikale, Linksliberale und Monarchisten, Sozialisten, Faschisten und Kommunisten immer wieder auf den „Helden zweier Welten“ bezogen? Mit Hilfe des Konzeptes des „politischen Mythos“ rekonstruiert und analysiert Jessica Kraatz Magri die intensive und langlebige Symbolproduktion um (die Figur) Garibaldi erstmals systematisch über die Epochengrenzen hinweg. Dabei zeigt die Autorin, dass der Garibaldi-Mythos je nach historischer Situation legitimierende, delegitimierende oder gar revolutionäre Funktion entfalten konnte. Die immer wiederkehrende Aktualität Garibaldis beruhte darauf, dass sich im Mythos des Volkshelden die für das 19. und frühe 20. Jahrhundert so wesentliche Frage nach der Organisation politischer Partizipation, d.h. das umkämpfte Verhältnis von Masse und Macht, narrativ, symbolisch und rituell verhandeln ließ.Jessica Kraatz Magri: Der umkämpfte Volksheld. Zur Geschichte des Garibaldi-Mythos in Italien (1882-1948) (Italien in der Moderne, Bd. 18) 420 Seiten, m. 32, teils farbigen Abb., gebunden, EUR 39,80
ISBN 978-3-89498-201-0
soeben erschienen Dez. 2011


